KOTATSU in den Wintermonaten
In meiner Kindheit in Japan zog es mich an kalten Wintertagen oft zu unseren Nachbarn, besonders wenn es draussen eiskalt war. Ich liebte es, bei ihnen zu sein: Denn es gab Leckereien, ich durfte fernsehen, und wir sassen alle gemeinsam gemütlich um einen Kotatsu-Tisch. Einen solchen hatten wir bei uns zu Hause leider nicht.
Ein Kotatsu ist ein niedriger Tisch mit einer dicken Decke und einer Heizung darunter. Man sitzt auf dem Tatami-Boden und schiebt die Beine unter die Decke. Mehr braucht es wirklich nicht.
Kaum hatte ich am Eingang meine Winterschuhe ausgezogen, huschte ich schon zum Kotatsu, streckte Beine und Arme unter die Decke – und zack: wohlig warm. Fast wie Zauberei, nur ganz bodenständig 😉
Der Kotatsu war für mich viel mehr als nur ein Möbelstück: Er war ein Treffpunkt, Wärmequelle und Kuschelzone in einem. Wir haben stundenlang geplaudert, gespielt, ferngeschaut, Tee getrunken, genascht – und manchmal sind wir auch einfach am Tisch eingenickt.
Sogar die Katze liebte den Kotatsu. Sie verschwand ganz unter der Decke, irgendwo zwischen all den Beinen, die sich dort tummelten.
In einem Land, in dem viele Häuser schlecht isoliert sind, ist der Kotatsu eine einfache aber geniale Lösung gegen die Winterkälte. Warm, praktisch und unglaublich japanisch – Alltag pur eben.
Es gibt nur einen kleinen Haken an der ganzen Sache: Wenn man aufs Häuschen muss. Die Toilette ist nämlich nicht geheizt – und eigentlich möchte man den Kotatsu nicht verlassen. So manch eine*r verkneift es sich, bis es wirklich nicht mehr geht.
Ach … wie ich den Kotatsu vermisse!
